|
Der Schneewittchensarg
Kleinmachnows Leben spielt sich im Kopf ab. Weil er schiefe Zähne hat, spricht er nur selten, in knappen, wohlformulierten Sätzen. Im Nachkriegsberlin aufwachsend, bei den übriggebliebenen Frauen einer streng katholischen polnischen Familie, erkennt er beizeiten, daß die Wahrheit viele Gesichter haben kann, läßt sich treiben im Spiel mit ihren vielfältigen Facetten, protokolliert von Kind an alles, was ihm analysierenswert erscheint. Später liefern kalter Krieg und Ideologienstreit, Studentenrevolten und die beginnende Entspannung zwischen Ost und West Stoff für seine ausgedachten Welten.
Auch in den privaten Soireen des berühmten Professors Bienstock, wo sich allwöchentlich Koryphäen aus Wissenschaft und Politik treffen, bleibt Kleinmachnow - mittlerweile zum Politologen und Experten für Kommunistische Parteien sowie osteuropäische Diktaturen geworden - nur Beobachter. Bis sich die Dinge unerwartet zuspitzen und er Patrick kennen lernt, einen "Abgesandten" des zweiten deutschen Staates. Von nun an wird aus dem analytischen Spiel bitterer Ernst.
Dabei fing eigentlich alles so warm und gefühlvoll an: mit den endlosen Geschichten seiner fülligen Tante Elsbieta, die Kleinmachnow von ihrem verschwundenen Geliebten, dem Kommunisten Leo, erzählte. Die Suche nach ihm aber wird zum Bestandteil seines inneren und äußeren Lebens...
|
|
|