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Die Leute aus Brody
Auf Spurensuche begibt sich die Erzählerin Gabriele Weingartner in diesen fünf Geschichten; sie will schreibend herausfinden, was ein so altertümlich klingender Begriff wie Demut bedeutet, was Sehnsucht, Dienen oder Stolz. Die Geschichtehandeln von Personen, die - eist ohne daß ihre Namen genannt werden - in der Literaturgeschichte bedeutsam sind.
Eine Randfigur wie Felice Bauer bekommt eine Stimme, und zwar auf Heimreise nach der letzten Begegnung mit Kafka. Ebenso Friedl, die Frau Joseph Roths, den Dichter erwartend in einem Pariser Hotelzimmer voller tickender Uhren. Ein andermal tritt Carl Einstein als Karlsruher Gymnasiast auf, Robert Walser als Diener im Haus des Verlegers Cassirer, schließlich Marcel Proust in einer gespenstischen Nachtszene.
Es ist die untergegangene, bürgerlich geprägte Welt der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, die Gabriele Weingartner mit leichter Hand und erzählerischer Eleganz aufleben läßt. Es geht um psychologisch genau erfaßte Augenblicke, "Weltsekunden", in denen die Zeit anhält und die Erzählerin zurückschaut. Ihr Blick fällt auf einige (Dichter-)Figuren, ihre widerstreitenden Gefühle und Haltungen. Die Substanz des jeweiligen Lebenswerks steht nicht zur Debatte, eher handelt es sich um ein Rätselspiel. Man kann diese Geschichten auf der literarischen Pirsch lesen, aber auch ganz unbeschwert von ihrer historischen Bedeutung.
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